BRAUBACH

Braubach - Portrait und Entwicklung einer historischen Stadt

„Zwischen Rebenhügeln liegt die kleine Stadt, die mein Herz für ewig eingefangen hat“. So beschreibt das Braubacher Schunkellied bereits in seiner ersten Zeile welch unverwechselbaren Charme die über 1300 Jahre alte Stadt Braubach gleichwohl bei deren Bewohnern wie auch Besuchern hinterlässt. Und so treffen die Worte der „Hymne“ der Wein- und Rosenstadt den Kern, wenn es an weiterer Stelle heißt: „Bin ich in der Fremde, sei es auch im Glück, an das Städtchen Braubach denk ich gern zurück.“ Was ist der Grund für den hier beschriebenen unvergesslichen Glanz, den die Stadt im oberen Mittelrheintal bei seinen Besuchern und Bewohnern hinterlässt? 







Schaut man auf die Vielzahl an bemerkenswerten Charakteristika, die Braubach zu bieten hat, so wird unmissverständlich deutlich, dass jene Worte nicht von Ungefähr der Feder des Autors und Komponisten jenes so einprägsamen Schunkelliedes, Hans Meschede, entsprangen. Dies wird dem Besucher der Stadt bereits während der Betrachtung des Städtchens aus der Ferne deutlich. Denn hier sticht zunächst die atemberaubende Marksburg ins Auge, die in zweilerlei Hinsicht bemerkenswert erscheint. Zum einen blieb sie vor den Zerstörungswellen im Zuge von Kriegen und Eroberungen im Laufe der Jahrhunderte verschont, und so thronte die Marksburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch immer in ihrem ursprünglichen Zustand über Braubach, als anderorts am Rhein fast nur noch Ruinen standen. Sie stellt somit die einzige niemals zerstörte Höhenburg am Mittelrhein dar. Zum anderen wurde sie durch die bis heute hier ansässige Deutsche Burgenvereinigung schon zu einem frühen Zeitpunkt Objekt gezielter Denkmalpflege. Doch auch ein Blick in die Braubacher Altstadt lässt das Herz eines jeden kulturell Interessierten höher schlagen. Hier beeindruckt die Fülle an Kulturdenkmälern, die sich in Form des altertümlichen Fachwerks in sanften Zügen durch die romantischen Braubacher Gassen entlang entwickeln. Enge Gassen, uralte Winkel und romantische Fachwerkhäuser verbinden eindrucksvoll den mittelalterlichen Charme des Städtchens mit der Neuzeit und der Schönheit der Rheinlandschaft. Die mittelalterliche Baukunst ist hier noch an vielen Resten und Türmen der alten Stadtbefestigung zu erkennen: die Philippsburg, das Obertor und die historische Barbarakirche sind Zeugen aus dieser Zeit. Gepflegte Hotels, gemütliche Gasthäuser, Gaststätten und Cafés bieten angenehmen Aufenthalt. Ebenso ein schöner Campingplatz direkt am Rheinufer. Am bestem nimmt man sich einen Tag Zeit um bei einem entspannenden Spaziergang die ausstrahlende Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Bei solch einem Spaziergang kommt man an kleinen mittelalterlichen Gässchen vorbei, die mit den besagten wunderschönen Fachwerkhäusern versehen sind, und mit großer Wahrscheinlichkeit trifft man auf alteingesessene Bürger, die sich das Leben mit einem Braubacher Wein gut gehen lassen. Bei einem kleinen Plausch erfährt man hier die interessantesten Informationen rund um Braubach, nicht zuletzt, dass es vor allem der Lauf der Geschichte war, der die Wein- und Rosenstadt geprägt hat:
Die ersten bedeutsamen Siedlungsspuren in Braubach finden sich in der Latène- oder vorrömischen Eisenzeit (ca. 400 bis 100 v. Chr.). Man geht davon aus, dass auf  Braubacher Gebiet vom Beginn des fünften Jahrhunderts bis zum ersten Jahrhundert v. Chr. eine starke keltische Besiedlung vorhanden war. Der Grund für die Ansiedlung der Kelten an diesem Ort erwuchs daraus, dass in der frühen Latène-Zeit, dem fünften Jahrhundert v. Chr., gezielt Erzvorkommen aufgesucht und abgebaut wurden, um den steigenden Metallbedarf der Kelten im Mittelrheingebiet zu decken. Das Hauptsiedlungsgebiet der Kelten lag im Bereich des Braubacher Bahnhofes. Hier wurde im Frühjahr 1898 beim Bau der neuen Post in 1,5 Meter Tiefe ein Mauerstück entdeckt.

Das Ende der keltischen Besiedlung lässt sich mit einem Feuer in Verbindung bringen, das in der Spät-Latène-Zeit im letzten Jahrzehnt v. Chr. gewütet hat. Zahlreiche Funde, die Brandspuren aufweisen, und Gefäße, deren Dekoration auf einen bestimmten Zeitraum schließen lässt, untermauern diese Annahme. Es kann davon ausgegangen werden, dass historische Ereignisse eine solche Zerstörung herbeigeführt haben. Diese können zum einen kriegerische Handlungen zwischen den Ubiern, einem germanischen Volksstamm, und den tiefer im Innern wohnenden Germanen gewesen sein, zum anderen Julius Caesars Rheinübergänge und das damit verbundene Eindringen der Römer. Dennoch blieben trotz der schwierigen Umstände einige der keltischen Bewohner zurück. Doch die nun gefertigten Gefäße und die Art der Anfertigung von Eisengegenständen lassen die Annäherung an die römische Kultur erkennen.

Es wird davon ausgegangen, dass zur Römerzeit das Braubacher Stadtgebiet nur eine geringe Besiedlung aufwies. Um die Besiedlung der rechten Rheinseite zu hinterfragen, muss man sich mit dem Verlauf der römischen Grenzen und den Bestrebungen der einzelnen Caesaren befassen. So bildete während Julius Caesars Zeit (58 bis 51 vor Christus) der Rhein die Grenze des römischen Reiches. Erst unter Kaiser Domitian (81 bis 96 n. Chr.) entstanden in den achtziger Jahren des ersten Jahrhunderts n. Chr. die Bestrebungen mit Hilfe des Limes als rechtsrheinischer Grenzbefestigung das römische Reich zu sichern. Sie wurden durch Kaiser Hadrian (117 bis 138 n. Chr.) weiter vorangetrieben. Das Braubacher Gebiet lag nun im Limeshinterland und war durch die Kastelle Bad Ems und Holzhausen gut gesichert. Damit gewann Braubach erneute Bedeutung für den Abbau und die Gewinnung von Blei und Silber.

Bereits im Frühmittelalter erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Briubach (der Name entwickelte sich im Hochmittelalter von Briubach zu Brubach, und dann im Neuhochdeutschen im 16. Jahrhundert zu Braubach). Im Jahr 691 v. Chr. schenkte hier  der Franke Helmgar zu seinem Seelenheil der Basilika St. Kassius und Florentius, der heutigen Münsterkirche in Bonn, einen Weinberg. Dies ist zugleich das erste schriftliche Zeugnis zum rechtsrheinischen Weinbau. Der Ort bzw. die Mark Baubach erscheint in den Quellen in der Folgezeit weitere Male im Zusammenhang mit Schenkungen von Gütern, die zugleich auf seine Besitzer Rückschlüsse ziehen lassen. Zwei Beispiele seien hierfür genannt: Im Jahr 933 n. Chr. schenkte die Mutter Konrads I. (ostfränkischer König von 911-918 n. Chr.) allen Zehnten, die sie in der Elzer und Braubacher Mark besaß unter anderem einen Bauernhof und einen Weingarten. Höchstwahrscheinlich ist somit die Braubacher Mark (zumindest in Teilen) zum Besitz der Konradiner, einem fränkischen Hochadelsgeschlecht, zu zählen. Eine weitere Schenkung durch Otto II. (römisch-deutscher Kaiser von 973-983 n. Chr.) an das Nonnenkloster Hilwartshausen bei Hannovrisch Münden in Form von drei Weingärten mit Hofstätten und deren Einwohnern in Braubach entstammte möglicherweise eingezogenem konradinischen Besitz.
Zwischen 1117 und 1171 lassen sich die Edelherren von Braubach urkundlich nachweisen. Sie errichteten die älteste mittelalterliche Burg in der Gemarkung Braubach unweit der St. Martinskirche, die vor dem Bau der Marksburg zu datieren ist. Beide Bauten, St. Martinskirche und „Alte Burg, bildeten als Stammsitz der Edelfreien von Braubach die Keimzelle der Siedlungsentwicklung des Ortes Braubach.

Vermutlich entstand mit dem darauf folgenden Bau der Marksburg (erstmals 1231 urkundlich erwähnt) unter den Herren von Eppstein als Besitznachfolger von Braubach eine städtische Ansiedlung unterhalb der Burg im Bereich der heutigen Altstadt.
König Rudolf von Habsburg erteilte am 1. Dezember 1276 Gottfried von Eppstein für dessen Stadt Braubach am Rhein die gleichen Rechte wie die anderer Städte des Reiches und genehmigte die Führung des Namens einer Freistadt. Die Eppsteiner besaßen Burg und Stadt als Lehen der Pfalzgrafen bei Rhein. 1283 wurden die Grafen von Katzenelnbogen mit Eberhard I. Landesherren. Darauf folgend 1479 unter Heinrich III. die Landgrafen von Hessen, die 1527 die Reformation einführten.
Philipp II. von Hessen-Rheinfels erbaute von 1568 bis 1571 am südlichen Ende der Stadt auf dem schmalen Uferstreifen unterhalb des Marksburgbergs die Philippsburg als Residenzschloss. Der Bau ist zugleich von kunsthistorischer Bedeutung, denn mit der Phillipsburg zu Braubach entstand das erste Renaissanceschloss am Mittelrhein. Bauliches Zeugnis darüber geben heute noch die Torgebäude mit ihren Fachwerkgiebeln ab. In jüngster Zeit avancierte die Schlossanlage zum Sitz des Europäischen Burgeninstituts.
Ebenfalls Residenz auf Schloss Phillipsburg bezog von 1643-1651 der Landgraf Johann der Streitbare aus dem Hause Hessen-Darmstadt, der auch die Marksburg verstärkte. Zur Linie Hessen-Darmstadt gehörte Braubach fortan bis zum Reichdeputationshauptschluss von 1803. Durch die Vereinfachung der deutschen Landkarte im Zuge jenes Beschlusses, der so gut wie alle geistlichen Territorien beseitigte, sowie viele kleinere Territorial-herrschaften und die meisten bis dahin selbstständigen Reichsstädte aufhob und größeren Territorialstaaten zuschlug, fiel die Stadt an den Fürsten von Nassau-Usingen. Die Rheinbundakte von 1806 schließlich vereinigte die Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zu einem Herzogtum Nassau. Als einer der im Rheinbund zusammengeschlossenen „Vasallenstaaten“ Napoleons forderte der französische Kaiser Treue und Waffenhilfe. Das Beispiel Braubach zeigte, dass die Fremdherrschaft mit Argwohn hingenommen wurde, da 13 dienstpflichtige junge Braubacher sich vom Rekrutenzug im Jahr 1809 entfernt hatten und nicht erschienen.

Nach dem Ende der Herrschaft Napoleons über Europa und die Restauration des „alten Kontinents“ durch den Wiener Kongress wurde die Stadt am Fuße der Marksburg am 4. April 1816 Sitz des herzoglich nassauischen Amtes Braubach, eines von 28 Ämtern im Herzogtum Nassau. Bis 1866 blieb das Territorium Braubach naussauisch. Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg (1866), in dem die Preußen siegten, fiel das Herzogtum Nassau und somit Braubach an das Königreich Preußen.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Hohenzollernherrschaft im Deutschen Reich fiel Braubach zunächst der amerikanischen und ab 1923 der französischen Besatzungszone im Zusammenhang der alliierten Rheinlandbesetzung zu.
1934 plante Hitler nach Braubach und zur Marksburg zu kommen. Hierzu kam es allerdings nicht, da im Zusammenhang mit dem Röhmputsch die Nachricht eines geplanten Attentats auf Hitler während seines Aufenthalts auf der Marksburg kursierte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Auflösung Preußens blieb Braubach zunächst unter amerikanischer Militärverwaltung. 1945 übernahmen die Franzosen mit vier nassauischen Kreisen auch Braubach. Mit der Ordonnanz Nr. 57 vom 30. August 1946 beschloss die französische Besatzungsmacht die Gründung eines „rheinlandpfälzischen Landes“. Braubach gehört seitdem zu jenem neuen Bundesland.
  

Literaturhinweise:
Friedhoff, Jens, Die Marksburg über Braubach. Geschichte und bauliche Entwicklung im Spiegel der archivalischen Überlieferung, in: Nassauische Annalen 118 (2007), S. 1-45.

Fuhr, Michael, „Wer will des Stromes Hüter sein“. 40 Burgen und Schlösser am Mittelrhein. Ein Führer, 2. Aufl. Regensburg 2005.

Gensicke, Hellmuth, Geschichte der Stadt Braubach, Braubach 1976.


Die Marksburg - Wahrzeichen der Stadt


Zwischen Bingen und Koblenz erstreckt sich wohl eine der schönsten und atemberaubendsten Landschaften Deutschlands, das Obere Mittelrheintal. Im Jahre 2002 erhielt dieser Abschnitt des Rheins von der UNESCO den Titel „Weltkulturerbe“.  Mit 40 Burgen, im Durchschnitt alle 2,5 km eine Burg und einer Vielzahl wunderschöner idyllischer Orte wartet der Rhein mit einem beeindruckendem Repertoire an architektonischen Highlights auf. Nähert man sich jedoch dem Stromkilometer 581, wird einem erst die wahre Schönheit des Rheins bewusst. Unternimmt  man seine Reise per Schiff oder Wanderung auf dem Rheinsteig, so ist es ohne zu übertreiben einer der schönsten Abschnitte des Rheins. Aus der Ferne schon verschlägt es einem den Atem, wenn sich plötzlich die majestätische Marksburg auf einem Felskessel erhebt. Hier thront sie und es scheint so, als würde sie schützend ihren Antlitz über Braubach erscheinen lassen.

Eine der mächtigsten Familien des Hohen Mittelalters, die Herren von Eppstein, ließen im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts die Grundsteine der Marksburg setzen. Jedoch ist sie die damalige Burganlage nicht mit der heutigen zu Vergleichen. So bestand sie früher aus einem kleineren Bergfried, einem Wohnbau und einer sich um das Gebiet schließenden Ringmauer.  1283 erwarb Graf Eberhard II. von Katzenelnbogen die Anlage. Kurzzeitig ließ sich einer der Katzenelnbogener von der Schönheit dieser Gegend anstecken und verlegte seine Residenz nach Braubach. In dieser Zeit ließ er die noch heute zu erkennenden gotischen Gebäude errichten, wodurch  das heutige Erscheinungsbild noch maßgeblich geprägt wird.

1479 ging die Burg an den Landgrafen Heinrich III. über. Dieser ließ sie als Bergfestung mit Batterien und Bastionen für Kanonen ausbauen. Die noch heute vorhandenen Batterien sind ein Relikt dieser Zeit. Da Landgraf Heinrich III. zu Hessen gehörte, ist Braubach auch heute noch eine evangelische Enklave im überwiegend katholischen Rheinland.

Als im Jahre 1803 das Heilige Römische Reich aufgelöst wurde, ging sie in den Besitz des Herzogtums Nassau über. Bis zum Jahre 1900 trat die Marksburg kaum noch in Erscheinung. Sie gelangte erst wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als im Jahre 1900 die Deutsche Burgenvereinigung auf Fürsprache von Kaiser Willhelm II. sie für 1.000 Goldmark erwarb.  Auf Initative von Professor Bobo Ebhardt wurde die Burg in den kommenden Jahren umfassend instandgesetzt.

Neben der bewegten Geschichte der Marksburg kommen noch weiterer Aspekte große Bedeutung zu. Das Interesse und die Bewunderung, die sich bei den Besitzern herausbildete bewirkte, dass die Anlage in diesem noch gutem Zustand erhalten ist. Ein weiterer Punkt ist wohl das imposante Erscheinungsbild, das davon herrührt, dass die Marksburg keine nennenswerten Angriffe über sich ergehen lassen musste. Somit ist sie die einzig unzerstörte Höhenburg des oberen Mittelrheins. Zudem findet sich auf ihr der Sitz der Deutschen Burgenvereinigung. Weiterhin bemerkenswert Punkt ist, dass sich das Europäische Burgeninstitut mit Burgenbibliothek und Burgenarchiv im Schloss Philippsburg am Fuße des Burgberges niedergelassen hat.

Abschließend ist noch zu sagen, dass die Stadt Braubach weit über die Grenzen Deutschlands hinaus um die imposante Marksburg beneidet wird. Und so ist es nicht verwunderlich, dass im Jahre 1996 auf der Insel Miyako in Japan ein Nachbau von 1:1 auf einer Felskuppe erfolgte.